Kündigung wegen Schlechtleistung

Die Parteien streiten über eine ordentliche Arbeitgeberkündigung wegen Schlechtleistung.

Die 1956 geborene Klägerin war seit dem 16.01.1995 in einem Versandhaus als Lager- und Versandarbeiterin zu einem Bruttoverdienst von zuletzt EUR 1.265,00 bei einer 31h-Woche beschäftigt. Dort werden die Warensendungen auf der Grundlage der Kundenbestellungen fertig gestellt.

Die Beklagte wirft der Klägerin vor, ihre Fehlerhäufigkeit liege um ein Mehrfaches über der ihrer mit vergleichbaren Arbeiten beschäftigten Kolleginnen.

Die elektronische Fehlerdokumentation ergab, dass die Klägerin in den Jahren 2003 und 2004 eine Fehlerquote zwischen 4,1 und 5,44 Promille verursachte.

Die durchschnittliche Fehlerquote der 209 eingesetzten Mitarbeiterinnen betrug dagegen nur 1,34 Promille.

Nach zwei Abmahnungen kündigte die Beklagte mit Schreiben vom 30.11.2004 verhaltensbedingt zum 31.03.2005.

Auf Pflichtverletzungen beruhende Schlechtleistungen können grundsätzlich eine ordentliche Kündigung rechtfertigen. Dem Arbeitnehmer ist es jedoch nicht gestattet das Verhältnis von Leistung und Gegenleistung einseitig nach seinem Belieben zu bestimmen. Er muss vielmehr unter angemessener Ausschöpfung seiner persönlichen Leistungsfähigkeit arbeiten.

Bei einer Kündigung wegen qualitativer Minderleistung des Arbeitnehmers ist es danach zunächst Sache des Arbeitgebers zu den aufgetretenen Leistungsmängeln das vorzutragen, was er über die Fehlerzahl, die Art und Schwere sowie die Folgen der fehlerhaften Arbeitsleistung des Arbeitnehmers wissen kann. Kann der Arbeitgeber darlegen, dass der Arbeitnehmer längerfristig die durchschnittliche Fehlerhäufigkeit aller mit vergleichbaren Arbeiten beschäftigter Arbeitnehmer erheblich überschreitet, so kann das ein Anhaltspunkt dafür sein, dass der Arbeitnehmer vorwerfbar seinen vertraglichen Pflichten verletzt.

Der Vergleich der durchschnittlichen Fehlerquoten allein, gibt keine hinreichenden Aufschluss darüber, ob durch die fehlerhafte Arbeit des gekündigten Arbeitnehmers das Verhältnis von Leistung und Gegenleistung stark beeinträchtigt ist.

Der Arbeitgeber muss hier weitere Umstände darlegen.

Danach muss der Arbeitnehmer erläutern, warum er trotz erheblich unterdurchschnittlicher Leistungen seine Leistungsfähigkeit ausschöpft.

Zwar ist eine gegenüber dem Abteilungsdurchschnitt dreifach höhere Fehlerquote als ein deutlicher Anhaltspunkt für ein mögliches pflichtwidriges Verhalten der Klägerin einzustufen, als absoluter Wert ist dies aber ungeeignet.

BGH Urteil vom 17.1.2008 -2 AZR 536/06


Eingestellt am 25.09.2008 von Oehme-Denk
Trackback

Kommentar hinzufügen:

Ihr Kommentar wird nach Überprüfung veröffentlicht.
Ihre persönlichen Daten werden nicht angezeigt.
Ihr Name:
Ihr Kommentar:
Registrieren: E-Mail Benachrichtigung bei neuen Kommentaren.
Registrierte Nutzer können Benachrichtigungen per Email
anfordern, unseren Newsletter abonnieren und weitere
Informationen erhalten.
Spamschutz: Bitte geben Sie die Zeichen auf dem Bild ein.
Neu laden

Wie viele Zeichen befinden sich im Bild?


Bewertung: 0,0 bei 0 Bewertungen.
Wie hilfreich fanden Sie diese Informationen?
(1=wenig hilfreich, 5=sehr hilfreich)